Navigation
Presse : Baugewerbliche Verbände: Erfahrungen mittelständischer Unternehmer auf Madagaskar
am 06.01.2009 (2440 x gelesen)

Baugewerbliche Verbände: Erfahrungen mittelständischer Unternehmer auf Madagaskar

Von Heinz Rittmann, Düsseldorf

Im Jahre 2004 besuchten einige institutionelle Vertreter gemeinsam mit mittelständischen Bauunternehmern der Baugewerblichen Verbände mit Sitz in Düsseldorf im Rahmen einer Wirtschaftsdelegationzum ersten Mal Madagaskar. Für einige Teilnehmer war es nicht der erste Aufenthalt in einem afrikanischen Entwicklungsland, während die meisten Bauunternehmer erstmals Afrika besuchten. Hintergrund war die negative Entwicklung auf dem deutschen Baumarkt, die dafür verantwortlich war, dass die Baugewerblichen Verbände mit Bauunternehmern neue Geschäftsfelder erarbeiteten. Eines dieser neuen Geschäftsfelder war das Bauen mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Afrika, welches damals aus unserer Sicht noch in den Kinderschuhen steckte. 

Wir wählten für den Flug ab Paris Air Madagascar. Die Wahl erwies sich als absolut korrekt. Wie aus diesem Reiseführer hervorgeht, ist zu bestimmten Jahreszeiten mit Zyklonen zu rechnen. So wurde auch an diesem Tag eine entsprechende Warnung ausgegeben. Die einzige Fluggesellschaft, die an diesem Tag nach Madagaskar flog, war Air Madagascar. Nicht nur das Service an Bord war sehr gut (wir alle flogen Economy Class), sondern wir wurden absolut sicher wie in Abrahams Schoß nach Madagaskar geflogen.

Wirtschaftspolitisch ist der von Madagaskar eingeschlagene und von internationalen Institutionen unterstützte Weg – nicht nur aus unserer Sicht - die einzige Möglichkeit, um mehr Wohlstand für alle Bevölkerungsschichten zu erreichen. Gleichzeitig sollte der Besucher sehr viel Verständnis und Sensibilität für eine andere und sehr interessante Kultur mitbringen. Wer deutsche Verhältnisse vorfinden möchte, sollte seinen Besuch vielleicht noch einmal überdenken und im Schwarzwald Geschäfte machen. Diese Andersartigkeit der Kultur findet sich selbstverständlich auch im Geschäftsleben wieder. Der lange Kolonialismus und ein Jahrzehnte dauerndes System, welches auf Korruption und Abhängigkeiten baute, haben viele madagassische Geschäftsleute vorsichtig und mißtrauisch werden lassen. Wir machten die Erfahrungen, dass im ersten Schritt eigentlich alle potentiellen madagassischen Kooperationspartner sehr zurückhaltend waren. Man muss Geduld mitbringen und sensibel mit den Geschäftsleuten umgehen. Auch wir brauchten dafür etwas Zeit. Gelingt es jedoch diese Barriere zu überwinden, dann können sich wirtschaftlich fruchtbare und lange andauernde Kooperationen ergeben. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang französische Sprachkenntnisse. Zwar wurde Englisch inzwischen als dritte Amtssprache eingeführt, aber es benötigt wohl eine weitere Generation, bis sich Englisch als Geschäftssprache durchgesetzt hat. Eine Übergangslösung könnten vielleicht im Anfangsstadium Dolmetscher sein. Diese sollten aber mehr können, als ein Einzelzimmer mit Dusche im Hotel zu bestellen. Sie müssen kulturell sensibel übersetzen und insbesondere den aus Europa kommenden Geschäftsneuling auch auf mögliche Aussagen „zwischen den Zeilen“ aufmerksam machen. Selbstverständlich sind auch auf Madagaskar – wie überall auf der Welt - Geschäftsleute zu finden, die vielleicht nicht zu Recht die Bezeichnung „Ehrbare Kaufleute“ führen. Der Kontakt zur deutschen Gemeinde hilft, Informationen über potenzielle Geschäftspartner zu erhalten.

Madagaskar als Insel zwischen Asien und Afrika entwickelt sich. Manchmal sind jedoch die Ziele der politischen Führung sehr ehrgeizig, getrieben von dem unbedingten Willen etwa Gutes für die Madagassen zu erreichen und scheitern an der täglichen Bürokratie. Der Wille zur Veränderung ist bei der madagassischen Führung definitiv vorhanden, allerdings ist dieser Wille nicht unbedingt in der gesamten Bürokratie zu finden. Daher muss sich der europäische Geschäftsmann auch an dieser Stelle in Geduld üben. 

Auch abseits wirtschaftlicher Interessen haben wir keine schlechten Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil: Wir als „Weißnasen“ wurden überall neugierig bestaunt und sehr freundlich begrüßt. Natürlich wurde der eine oder andere Bauunternehmer angebettelt. Aber man muss auch für die Menschen auf Madagaskar Verständnis haben: Wir sind materiell betrachtet in deren Augen unermeßlich reich. Da kann der eine oder andere der Versuchung erliegen, zu betteln. Bettlern nichts geben, sich vorsichtig zurückhaltend verhalten und Geld vielleicht einer anerkannten Institution spenden wäre ein beispielhafter Lösungsansatz. An Kriminalität haben wir nicht feststellen können. Laut einigen Kollegen soll aber Taschendiebstahl vorkommen. Wir hatten damals für uns den Schluss gezogen, dass es in einigen deutschen Bahnhofsvierteln gefährlicher ist, als auf Madagaskar. 

Madagaskar war über Jahrzehnte französische Kolonie bzw. französisch beeinflußt. Die daraus resultierenden Beziehungsgeflechte sind selbstverständlich heute noch zu finden. Allerdings versucht sich der madagassische Staat breiter zu positionieren und vorhandene negative Strukturen, die die madagassische Wirtschaftsentwicklung behindern, zu beseitigen. Dieser ehrliche Wille ist klar zu erkennen. Allerdings sollten Geschäftsleute nicht naiv erwarten, dass alle auf deren Erscheinen gewartet haben. Alle, die von neuen Geschäften negativ berührt werden, werden versuchen, diese zu unterbinden. Manchmal kann daher das bessere Geschäft das nicht durchgeführte Geschäft sein. Daher soll an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht werden, auch sehr genau hinter die Kulissen zu schauen. 

Insgesamt kann aus Sicht der Baugewerblichen Verbände Düsseldorf, ein positives Fazit hinsichtlich eines wirtschaftlichen Engagements auf Madagaskar gesprochen werden. Wir haben erfolgreich ein Infrastrukturprojekt durchgeführt und haben gegenwärtig, d. h. im Jahre 2008, ein weiteres und größeres im Visier. Mit der richtigen Vorbereitung und einer sensiblen Vorgehensweise können mit den richtigen Partnern auf Madagaskar durchaus erfolgreiche Geschäfte gemacht werden.

Heinz Rittmann, Dipl.-Ing, Dipl.-Kfm.

Mail:
Baugewerbliche Verbände Düsseldorf
Graf-Recke-Strasse 43
40239 Düsseldorf

Presse : Banker, Fußballtrainer und Herzspezialisten gesucht
am 06.01.2009 (3979 x gelesen)

Baugewerbliche Verbände und Madagaskar liegen ihm am Herzen / Hauptgeschäftsführer Lutz Pollmann aus Kaarst ist seit April 2007 Honorarkonsul

Von Klaus Heimer, Antananarivo

Wie wird man eigentlich Honorarkonsul von Madagaskar? „Dazu gibt es eine kurze und eine lange Version“, sagt Rechtsanwalt Lutz Pollmann, seit 1992 Hauptgeschäftsführer der Baugewerblichen Verbände Düsseldorf, 8000 Kilometer von zu Hause entfernt unter der Tropensonne Afrikas und schmunzelt dabei geheimnisvoll. 

2004 besuchte er mit einer stattlichen Wirtschaftsdelegation seiner Verbände erstmals die gerade durch die beiden tierischen Trickfilme populär gewordene Heimat von Pfeffer und Vanille im Indischen Ozean. Einige Zeit später habe ihn der damalige madagassische Botschafter Denis Andriamandroso aus Berlin-Falkensee angerufen und gefragt, ob er vielleicht jemanden kenne, der in Düsseldorf arbeite und dort ein Büro habe. Pollmann ahnte, was die Stunde geschlagen hatte. „Denken Sie da vielleicht an mich?“ Es habe schließlich zwei Jahre gedauert, bis die offizielle Ernennung erfolgt sei – rechtzeitig zum Besuch von Madagaskars Staatspräsident Marc Ravalomanana in Köln und bei Bundespräsident Horst Köhler in Berlin, bei dessen Vorbereitung Pollmann in seiner rheinischen Heimat Organisationstalent unter Beweis stellen konnte.

„Kennen Sie einen Banker, der uns beraten kann? Wir möchten in der Hauptstadt Antananarivo ein Herzzentrum einrichten. Wir wollen ein Kongresszentrum mit Mobiliar ausstatten. Wir brauchen einen Fußballnationaltrainer.“ – Wem solche oder ähnliche Wünsche vom Staatschef der viertgrößten Insel der Welt angetragen werden und diese schnell und zufrieden stellend erfüllt, der muss eine Mischung aus Tausendsassa und einer Person mit vielen guten Kontakten im In- und Ausland sein. Lutz Pollmann (54) hat bei dem überaus deutschfreundlichen Präsidenten, der „Made in Germany“ außerordentlich schätzt und mindestens einmal im Jahr die Bundesrepublik besucht, um dort auch kräftig für sein Land einzukaufen, ein Stein im Brett.

Dabei war alles so gar nicht geplant: „Unsere Baugewerblichen Verbände mit rund 5000 Mitgliedsbetrieben pflegen intensive Kontakte nach Ghana, Guinea oder Äthiopien, um auch dort Aufträge für heimische Unternehmen in Verbindung mit lokalen Partnern an Land zu ziehen.“ So habe erfreulicherweise auch der erste Aufenthalt im Land der putzigen Lemuren zu etlichen Kontakten geführt. „Und ich kann als Konsul dank meiner beruflichen Stellung und guten Verbindung viel für dieses demokratisch regierte Land tun, das nach wie vor zu den ärmsten Nationen der Welt zählt, jedoch in Aufbruchstimmung ist.“ Zwischen der Herzklinik in Bad Oeynhausen und Madagaskar gibt es inzwischen ein Kooperationsabkommen, so dass madagassische Mediziner in Deutschland ausgebildet werden.

Es treffe sich gut, dass Madagaskar dank der beiden Animationsfilme aus dem USA in aller Munde sei. Insbesondere dem aufstrebenden Tourismus tue dies gut, freut sich der gebürtige Düsseldorfer mit Eigenheim in Kaarst, der gerade einen Informationsbesuch in Verbindung mit einem Fachvortrag im Goethe-Zentrum in Antananarivo hinter sich gebracht hat. „Ich werde wieder kommen, um noch mehr von diesem Land zu sehen, das mich in seinen Bann gezogen hat.“ In seinem Büro schmücken nun etliche Souvenirs oder auch Produkte wie Kaffee, Tee und Vanille sein Wandregal und Besucher, die ein Visum bei ihm holen, erhalten so einen aromatischen und optischen Eindruck von ihrem künftigen Urlaubsland.

In der Zeit vor der Ernennung zum Konsul sei er hinter den Kulissen auf Herz und Nieren überprüft worden, wobei unter anderem Fragen, ob er vorbestraft sei oder Schulden habe, eine Rolle spielten. Zu Beginn habe die madagassische Botschaft einen so genannten Non-Letter an das Auswärtige Amt geschickt und darin angefragt, ob die bundesdeutsche Behörde Bedenken habe, wenn Madagaskar in Erwägung ziehen würde, Pollmann zum Honorarkonsul zu bestellen. Nach Abschluss der Überprüfung sei dann in einem weiteren Non-Letter dem Ansinnen zugestimmt worden. Pollmann hat einen überaus schmucken Diplomatenpass von Madagaskars Regierung erhalten, geht in der Berliner Botschaft ein und aus, plaudert mit Ministern und anderen „hohen Tieren“ – stets mit dem Hintergedanken, etwas für sein fernes „Patenkind“ zu erreichen.

„Die Vorstände der Verbände haben dem ehrenamtlichen Nebenjob gerne zugestimmt“, bekräftigt Pollmann, der bundesweit nur noch zwei Kollegen in Hamburg und München hat. „Ich kann sehr gut bei den vielen Terminen, die das Amt mit sich bringt, die Interessen meiner Mitglieder und jene von Madagaskar unter einen Hut bringen.“

Anschrift: Honorarkonsul Lutz Pollmann, der Touristenvisa ausstellt: Graf -Recke-Strasse 43, 40239 Düsseldorf

Reisewetter
Wetter Antananarivo
Powered by SIMPLE-XOOPS 0.8 © 2005-2008 The SIMPLE-XOOPS Project | Login